18 October 2010

Rundbrief-Kopie (sorry for my english speaking friends)

Es ist heiss. 41Celcius gestern. Wir warten auf den Regen, aber ein paar Wochen wird es wohl noch dauern. Die Mangobäume sind bereits verblüht. Grüne Mangos werden an einigen Strassenständen schon verkauft, aber in den meisten Bäumen sind die Mangos etwas so gross wie eine Baumnuss. Viele andere Bäume haben auch bereits grün ausgeschlagen, die Jacerandas leuchten violett. Ein herrlicher Kontrast in der trockenen Landschaft. Der letzte Regen war im April…

Hitzefrei gibt es hier aber nicht. Lucky (14) und Precious (11) beklagen sich über die Hitze, aber es wird fleissig gelernt. Prüfungen stehen bevor. Für Lucky, der in der siebten Klasse ist, stehen die wichtigen „7th Grade Examinations“ an. Je nach Punktezahl kann er dann gewisse Schulen besuchen, oder eben nicht. Seit er lesen kann, fällt ihm das Lernen einfacher. Bei Precious klappt es noch nicht ganz mit Lesen, sie ist einfach zu gut im Raten.

Tim leidet auch etwas unter der Hitze. Er ist nun etwas über 3 Monate alt, etwas mehr als 8kg schwer und muss sich gerade an „Auntie Florenze“ gewöhnen. Wie haben eine Woche Zeit, dann geht es bei mir mit der Arbeit wieder los. Florenze hat diese Wochen bei uns als „Nanny“ angefangen. Sie ist 21 Jahre alt, hat einen kleinen Sohn (3) und spricht Englisch, da sie die Schule bis in die 11. Klasse besucht hat. Viel mehr weiss ich noch nicht von ihr. Sie und Tim plappern und kichern, während ich nun endlich dazukommen einen Rundbrief zu schreiben!

Viel ist passiert seit meinem letzten Rundbrief und zugleich kann ich kaum glauben, dass das Jahr so schnell vorbeigeflitzt ist. Mit was soll ich beginnen? Das wichtigste Ereignis für mich war natürlich Timothy (Tim). Geboren am 30. Juni 2010. Er ist zum wunderbaren lachenden (manchmal auch schreienden) Mittelpunkt unsere Familie geworden. Wenn ich Precious und Lucky von der Schule abhole, wird Tim zuerst begrüsst, geküsst und es wird gestritten, wen ihn als erstes tragen darf. Ich bekomme ein knappes „how are you?“

Dann sind 3 neue Fachpersonen – Theo Bucher, Margret Bucher und Regina Jesse - in Sambia angekommen. Theo und Margret leben in Mishikishi, unweit von Ndola, auf einer Missionsfarm Regina arbeitet in Kabwe in einem Hospitz und im dazugehörenden Home Base Care mit. Wir hatte auch Besuch aus der Schweiz, von Beatrice, Programmverantwortliche für Afrika bei der BMI, und von meiner langjährigen Mitbewohnerin Anne-Claire, und ihrem Vater.

Es war spannend Sambia wieder aus einer „Entdeckerperspektive“ zu erleben. Im August hat mein 4. Jahr hier in Sambia begonnen, gemeinsam mit den von mir gepflanzten Bäume (siehe letzter Rundbrief) bin auch ich zunehmend hier in Sambia verwurzelt. Ich habe viel gelernt seit meiner Ankunft. Jetzt im Nachhinein stelle ich fest, dass ich bei meiner Ankunft mich oft, wie eine Blinde, die nicht weiss, dass sie blind ist, verhalten habe. Mit der Zeit gewöhnt man sich ans Fremdsein, lernt akzeptieren dass man nicht versteht und dass gewöhnliche selbstverständliche Dinge auch anders gemacht und erklärt werden können. Meine Schwangerschaft und die Fragen von Neuankommenden und Besuchern stellten diese „Normalität“ wieder etwas in Frage. Gegensätze zwischen Arm und Reich erschüttern mich wieder etwas mehr. So kostet zum Beispiel eine Nacht für eine Person in der Norman Carr Lodge im South Luango Nationalpark etwas soviel wie zwei Monatslöhne für eine Hausangestellte. Und dies in einer nicht sehr teuere Lodge. Wir bekamen ziemlich viel Ermässigung da die Regenzeit noch nicht ganz vorbei war. Ohnmachts-Gefühle kehren zurück beim Angesicht von barfüssigen Kleinkindern, die Neugeborene auf ihrem Rücken tragen. (Unter was für Umständen würde ich Tim einem Kleinkind auf den Rücken binden?) Frauen mit Kind auf dem Rücken, schwerem Gepäck auf dem Kopf und evt. noch 2-3 weiteren Kindern im Schlepptau,, fallen mir wieder auf. Wie schaffen die den Weg von der Bushaltestelle nach Hause (mehrere Kilometer)? Ich denke wieder darüber nach wie viel wohl der Mann der „Talktime“ verkauft an der Strassenkreuzung verdient. Ärgere mich wieder über das Fehlen von Informationen in Zeitungen und Nachrichten. Und leide unter einem schlechten Gewissen, wenn ich mir Wasser in der PET-Flasse kaufe, die anschliessend bei uns im Garten vergraben oder verbrannt wird.

Man kann hier in Sambia ein komfortables Leben haben und gut „vergessen“, dass man in einem der ärmsten Länder der Welt lebt. Viele Touristen und Expats, die hier leben, bekommen wenig von der Realität der sambischen Mehrheit mit. Man lebt in einem schönen Haus, mit Swimingpool, grossem Garten und Hausangestellten. Man fährt im klimatisierten 4x4 zur Arbeit. Bei Shoprite, Spar und seit kurzem auch bei Pick n’ Pay, bekommt man alles was man sich gewohnt ist, inclusive Nutella, Sushi-algenblätter und Frischkäse. Auch Pizza und sonstiger Fast Food bekommt man an vielen Ecken. In Lusaka kann man mexikanisch, koreanisch, chinesisch, italienisch, deutsch, kreolisch… essen gehen. Sambisch auch, aber ich kenn nur sehr wenige Expats, die dies öfters tun und von sich sagen dass sie „Nshima“ gerne und mit den Händen essen. Manda Hill wird gerade umgebaut. Bald kann man auch in Sambia auf einer Rolltreppe fahren.

Nebst Neuankommenden Fachpersonen, Besuchern und Mutterschaftsurlaub, ist in diesem Jahr auch viel im HIV/AIDS Fond geschehen. Gemeinsam mit Cecilia, Ernest und dem Vorstand haben wir dieses Jahr den Fond umstrukturiert und beschlossen „nur“ 6 Projekte zu unterstützen. Diese Projekte sind nun angelaufen. Alle 6 Projekte sind IGAs (Income Generating Activities) und haben als Ziel, dass die jeweiligen Organisationen langfristig finanzielle besser dastehen. So sieht eines der Projekte zum Beispiel der Kauf von zwei Maismühlen vor und die Einrichtung eines kleinen Ladens. Mit dem Gewinn, der durch diese Mühlen erwirtschaftet werden soll, werden dann Schulgelder, Uniformen und Lebensmittel für die Mitglieder der Organisation gekauft. Die Organisation „Nyale“ würde von einer Gruppe Grossmüttern, die alleine ihre Enkelkinder (HIV/ADIS Waisen) grossziehen, im Armenviertel Kaunda Square hier in Lusaka gegründet. Jede Frau hat etwa 3-5 Enkelkinder. Insgesamt werden von den Mühlen fast 200 Leute profitieren. Alle 6 Organisationen haben mit der Umsetzung der Pläne Ende August 2010 angefangen. Nächste Woche findet ein erstes Austausch- und Zwischenbericht-Treffen mit Vertretern aller 6 Organisation statt. Ich bin gespannt, was alles passiert ist und freue mich darauf euch mehr davon zu berichten, in meinem nächsten Rundbrief.

Bis dahin wünschen wir euch einen schönen Herbst und schicken euch sommerliche Grüsse.

M & Familie

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